Erbe Österreich - S01E123
Spielfilm. In der Habsburgermonarchie machte man nicht einfach Urlaub, man fuhr zur Sommerfrische. Eine oft wochenlange Erholung auf dem Land, am See oder am Meer war damals keine Seltenheit. Adelige und wohlhabende Großbürger reisten mit den Annehmlichkeiten der Stadt aufs Land und verbanden die Vorzüge idyllischer Natur mit urbaner Geselligkeit. Das Salzkammergut, der Wörthersee, Triest und Abbazia sind nur einige der damaligen Traumziele. Das Vielvölkerreich der Habsburger stellte einen kulturell wie gesellschaftlich einzigartigen Kosmos dar. Die nostalgische Verklärung dieser Ära begann noch vor dem Ende des Habsburgerreichs und hält bis heute an, vor allem in Orten, die mit einer der schönsten Errungenschaften der Donaumonarchie verbunden sind - der Sommerfrische. Das vornehmlich adelige und großbürgerliche Sommervergnügen, dessen Wurzeln in der Biedermeierzeit liegen und dem, wenn auch in bescheidenerem Rahmen, bis in die Zwischenkriegszeit gefrönt wurde, wird in dieser Dokumentation in all seinen Facetten gezeigt: von den populärsten Reisezielen vergangener Tage über die spezielle Reisekultur bis zu Transportmitteln und -wegen. Das "Fin de sičcle" wurde zum Höhepunkt der Sommerfrische. Man reiste aufs Land, um dort wie in einem Freiluftsalon eine gesellige Zeit miteinander zu verbringen. Man schwärmte von Triest, von der Riva in Pola und vom milden Klima Abbazias. Damals entdeckte man den Gardasee und den Wörthersee und eroberte die Gipfel der Alpen. Das Reisen im alten Österreich war untrennbar mit der verkehrstechnischen Erschließung des Großreichs verbunden. Das Salzkammergut gilt als Wiege der Sommerfrische. Der Kurbetrieb am Traunsee war zutiefst verbunden mit dem österreichischen Kaiserhaus und der Nähe zu Ischl, wo Kaiser Franz Joseph seine Sommer verbrachte. Bis heute konnten Orte wie Gmunden viel vom Flair vergangener Tage bewahren. Während am Traunsee überwiegend Mitglieder der nationalen und internationalen Aristokratie dominierten, wurde das restliche Salzkammergut bald durch das gehobene Bürgertum erschlossen. Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man den Attersee, und die ersten Sommervillen der Bourgeoisie entstanden. Fasziniert vom Türkisblau des Wassers, mischten sich Fotografen, Maler, Komponisten und Dichter - von Gustav Mahler bis Gustav Klimt - unter das reiche Großbürgertum. In der 1890 erbauten Villa Langer in Steinbach am Attersee wird die Sommerfrische wiederbelebt, wie sie Adelige, Großbürger und berühmte Künstler genossen haben. Der 1886 gegründete "Union Yacht Club Attersee" zählt zu den ältesten und heute zu den größten Segelclubs Österreichs. Wenn Komponisten Urlaub machten, suchten sie meist nach Inspiration und Ruhe. Als kreative Refugien dienten ihnen gerne Seebäder, Komponier-Häuschen oder ein abgelegenes Waldhaus. Gerne bedienten sie dabei das Klischee des genialen Eremiten, auch wenn so mancher von ihnen den Freuden des Lebens nicht abgeneigt war. Johannes Brahms war einer jener Komponisten, die ihre produktivsten Zeiten während ihres Urlaubs hatten. Sommerfrische war für ihn niemals nur Amüsement. Einige seiner berühmtesten Werke komponierte er in Pörtschach am Wörthersee. Mit dem Anschluss der Bahnstrecke Wien-Klagenfurt an die "k. u. k. Südbahn" wurde der Aufenthalt am Wörthersee zu einer gut erreichbaren Attraktion und Pörtschach zu einem der edelsten Sommerfrische-Orte in der Donaumonarchie. Die "Johannes-Brahms-Gesellschaft Pörtschach" rief 1993 den "Brahms Musiksommer" ins Leben - mit Konzerten bekannter Interpreten, Festwochen und internationalem Wettbewerb. Das Programm dieser Veranstaltung, das Musikliebhaber aus ganz Europa anzieht, weist jährlich wechselnde Schwerpunkte auf. Mit dem Entstehen eines neuen Naturgefühls im 18. Jahrhundert wurden die Alpen zum Ausgangspunkt einer neuen Naturbewegung. Die bisher nur Angst erweckenden Berge wurden zu einer Art irdischem Paradies stilisiert. Auch hier fokussierte sich die Aufmerksamkeit rasch auf das Salzkammergut. Es war in der Nähe von Gößl, wo der bis heute als "Steirischer Prinz" hoch verehrte Erzherzog Johann beim Klettern im Toten Gebirge das Ausseerland entdeckte. Johann, der "Grüne Rebell aus dem Hause Habsburg", lebte seine Philosophie vom Bewahren und Erneuern. Der volksnahe Erzherzog vertrat das Motto "zurück zur Natur" lange bevor es zum Modetrend verkam. Mit den gesellschaftlichen Umbrüchen am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Bergsteigen schließlich zur Massenbewegung. Es gibt sie noch, die Orte und Landschaften, wo trotz zeitgemäßer Technik versucht wird, das Flair vergangener Tage zu erhalten. Dieses Flair gilt es zu erspüren und zu ergründen, um den Mythos der Sommerfrische erfahrbar zu machen.
More informationEpisodes
Erbe Österreich - Season 1
Erbe Österreich - S01E301
Erbe Österreich - S01E301
Spielfilm. Die Toskana ist wohl die Sehnsuchtslandschaft für Menschen aus aller Welt. Speziell die Region um Siena, Montalcino und das Val d'Orcia ist ein Erlebnis für alle Sinne. Begleitet von dem schnaufenden Geräusch steigen wieder Rauchschwaden gegen den Himmel: Mit restaurierten Waggons aus den 1920er-Jahren und einer reaktivierten 100 Jahre alten Dampflok geht es mit dem "Treno Natura" durch die schönen Landschaften der südlichen Toskana. Mit "vapore" schnauft der "Treno Natura" durch das in magisches Licht getauchte Val d'Orcia, das Orcia-Tal. Sanfte Hügel, auf denen mittelalterliche Dörfer thronen, Zypressen-Alleen, die zu romantischen Landsitzen führen, Olivenhaine, Felder und natürlich Weinberge. Auf einem der Hügel das Städtchen Montalcino, weltberühmt für seine Weine. Der "Brunello di Montalcino" gilt als Inbegriff eines italienischen Weins für höchste Ansprüche. Unweit von Montalcino, eingebettet in eine bezaubernde Landschaft, liegt die "Tenuta di Collosorbo". Das Traditionsweingut ist seit 25 Jahren fest in weiblicher Hand. Mutter Giovanna und ihre Töchter Lucia und Laura produzieren Jahr für Jahr einen hervorragenden Wein. Die mit großer Kenntnis und Sorgfalt produzierten "Brunello di Montalcino" und "Rosso di Montalcino" gehören zu den besten Weinen Italiens. "Terroir, Fachwissen & Frauenpower" ist die Erfolgsformel von Collosorbo. Eindrucksvoll ist auch das Anwesen der "Villa La Foce". Es ist einer jener Orte im malerischen Hügelland des Val d'Orcia, den man als unvergleichbar bezeichnen muss. Der Garten der "Villa La Foce" war das letzte große Werk des berühmten englischen Gartenarchitekten Cecil Pinset und ein gartenarchitektonisches Vermächtnis für die Ewigkeit. Pinset schuf einen der schönsten Gärten der Toskana, der bis heute nichts von seiner Strahlkraft verloren hat. Benedetta und Donata Origo, die beiden Töchter von Iris und Antonio, führen das Vermächtnis ihrer Eltern weiter. Während sich Benedetta und ihre Tochter Katia Lysy um das Erbe von "La Foce" kümmern, widmet sich Benedettas Schwester Donata den Olivenbäumen des Gutes "La Chiarentana". Die ehemals mittelalterliche Festung befindet sich nur unweit von "La Foce" und besticht mit einem einmaligen Ausblick auf das Val d'Orcia und den Monte Amiata. Das Val d' Orcia wird für seine landwirtschaftlichen Produkte geschätzt. Die Schafzucht und Milchwirtschaft und die Weiterverarbeitung der Schafsmilch zu Käse sicherten so manchem bäuerlichen Betrieb über die Jahrhunderte das Überleben. Der Pecorino in seinen verschiedenen Reifungsgraden gilt als einer der besten Europas. Auf seiner filmischen Reise macht das Team Station auf dem Landgut "Podere Il Casale", das für seinen Pecorino berühmt ist. Wenn die historische Dampflokomotive durch die Landschaft schnaubt, fühlen sich nicht nur Eisenbahn-Nostalgiker in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. Die Bahnfahrt durch das Val d'Orcia ist ein Erlebnis für alle Sinne. Wie gemalt, beinahe unwirklich, breiten sich die grünen Hügel vor den Reisenden aus. Mit einer Bahnfahrt über diesen Flecken Erde, der im Zusammenspiel von Natur und Menschenhand zur Ikone erhoben wurde, erhält diese Landschaft eine weitere, eine neue Perspektive.
Erbe Österreich - S01E280
Erbe Österreich - S01E280
Spielfilm. Den Wienerwald, das beliebte Naherholungsgebiet der Wiener, sollte es eigentlich nicht mehr geben. Ende des 19. Jahrhunderts kursierten konkrete Pläne, ihn zu roden. Mit dem Verkauf des Holzes sollten die habsburgischen Finanzen saniert werden. Entsprechende Verträge waren bereits unterschrieben. Am Ende war es dem Einsatz eines einzigen, des Journalisten Josef Schöffel, zu verdanken, dass der Wald bestehen blieb. Schöffel machte die Pläne publik und gab damit den Anstoß zu einer Vorform der Graswurzelbewegung. Lange bevor den Menschen der eigenständige Wert einer intakten Natur bewusst geworden war, forderte diese Widerstandsgruppe einen prototypischen Umweltschutz ein. Ihre Kampagne wurde durch eine selbstbewusste Presse möglich, die damals so mutig war, auch offen gegen die Interessen des Herrscherhauses anzuschreiben.
About show
Spielfilm. In der Habsburgermonarchie machte man nicht einfach Urlaub, man fuhr zur Sommerfrische. Eine oft wochenlange Erholung auf dem Land, am See oder am Meer war damals keine Seltenheit. Adelige und wohlhabende Großbürger reisten mit den Annehmlichkeiten der Stadt aufs Land und verbanden die Vorzüge idyllischer Natur mit urbaner Geselligkeit. Das Salzkammergut, der Wörthersee, Triest und Abbazia sind nur einige der damaligen Traumziele. Das Vielvölkerreich der Habsburger stellte einen kulturell wie gesellschaftlich einzigartigen Kosmos dar. Die nostalgische Verklärung dieser Ära begann noch vor dem Ende des Habsburgerreichs und hält bis heute an, vor allem in Orten, die mit einer der schönsten Errungenschaften der Donaumonarchie verbunden sind - der Sommerfrische. Das vornehmlich adelige und großbürgerliche Sommervergnügen, dessen Wurzeln in der Biedermeierzeit liegen und dem, wenn auch in bescheidenerem Rahmen, bis in die Zwischenkriegszeit gefrönt wurde, wird in dieser Dokumentation in all seinen Facetten gezeigt: von den populärsten Reisezielen vergangener Tage über die spezielle Reisekultur bis zu Transportmitteln und -wegen. Das "Fin de sičcle" wurde zum Höhepunkt der Sommerfrische. Man reiste aufs Land, um dort wie in einem Freiluftsalon eine gesellige Zeit miteinander zu verbringen. Man schwärmte von Triest, von der Riva in Pola und vom milden Klima Abbazias. Damals entdeckte man den Gardasee und den Wörthersee und eroberte die Gipfel der Alpen. Das Reisen im alten Österreich war untrennbar mit der verkehrstechnischen Erschließung des Großreichs verbunden. Das Salzkammergut gilt als Wiege der Sommerfrische. Der Kurbetrieb am Traunsee war zutiefst verbunden mit dem österreichischen Kaiserhaus und der Nähe zu Ischl, wo Kaiser Franz Joseph seine Sommer verbrachte. Bis heute konnten Orte wie Gmunden viel vom Flair vergangener Tage bewahren. Während am Traunsee überwiegend Mitglieder der nationalen und internationalen Aristokratie dominierten, wurde das restliche Salzkammergut bald durch das gehobene Bürgertum erschlossen. Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte man den Attersee, und die ersten Sommervillen der Bourgeoisie entstanden. Fasziniert vom Türkisblau des Wassers, mischten sich Fotografen, Maler, Komponisten und Dichter - von Gustav Mahler bis Gustav Klimt - unter das reiche Großbürgertum. In der 1890 erbauten Villa Langer in Steinbach am Attersee wird die Sommerfrische wiederbelebt, wie sie Adelige, Großbürger und berühmte Künstler genossen haben. Der 1886 gegründete "Union Yacht Club Attersee" zählt zu den ältesten und heute zu den größten Segelclubs Österreichs. Wenn Komponisten Urlaub machten, suchten sie meist nach Inspiration und Ruhe. Als kreative Refugien dienten ihnen gerne Seebäder, Komponier-Häuschen oder ein abgelegenes Waldhaus. Gerne bedienten sie dabei das Klischee des genialen Eremiten, auch wenn so mancher von ihnen den Freuden des Lebens nicht abgeneigt war. Johannes Brahms war einer jener Komponisten, die ihre produktivsten Zeiten während ihres Urlaubs hatten. Sommerfrische war für ihn niemals nur Amüsement. Einige seiner berühmtesten Werke komponierte er in Pörtschach am Wörthersee. Mit dem Anschluss der Bahnstrecke Wien-Klagenfurt an die "k. u. k. Südbahn" wurde der Aufenthalt am Wörthersee zu einer gut erreichbaren Attraktion und Pörtschach zu einem der edelsten Sommerfrische-Orte in der Donaumonarchie. Die "Johannes-Brahms-Gesellschaft Pörtschach" rief 1993 den "Brahms Musiksommer" ins Leben - mit Konzerten bekannter Interpreten, Festwochen und internationalem Wettbewerb. Das Programm dieser Veranstaltung, das Musikliebhaber aus ganz Europa anzieht, weist jährlich wechselnde Schwerpunkte auf. Mit dem Entstehen eines neuen Naturgefühls im 18. Jahrhundert wurden die Alpen zum Ausgangspunkt einer neuen Naturbewegung. Die bisher nur Angst erweckenden Berge wurden zu einer Art irdischem Paradies stilisiert. Auch hier fokussierte sich die Aufmerksamkeit rasch auf das Salzkammergut. Es war in der Nähe von Gößl, wo der bis heute als "Steirischer Prinz" hoch verehrte Erzherzog Johann beim Klettern im Toten Gebirge das Ausseerland entdeckte. Johann, der "Grüne Rebell aus dem Hause Habsburg", lebte seine Philosophie vom Bewahren und Erneuern. Der volksnahe Erzherzog vertrat das Motto "zurück zur Natur" lange bevor es zum Modetrend verkam. Mit den gesellschaftlichen Umbrüchen am Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Bergsteigen schließlich zur Massenbewegung. Es gibt sie noch, die Orte und Landschaften, wo trotz zeitgemäßer Technik versucht wird, das Flair vergangener Tage zu erhalten. Dieses Flair gilt es zu erspüren und zu ergründen, um den Mythos der Sommerfrische erfahrbar zu machen.